Wie werde ich Pilot?
Piloten haben ein sehr gutes Image. Angeblich sind sie alle blond, breitschultrig und braungebrannt. In Wirklichkeit sind sie aber ganz normale Menschen. Segelflieger duzen sich, deshalb wechseln wir jetzt vom förmlichen Sie zum segelfliegerischen Du.
Für eine Ausbildung zum Piloten sind folgende Grundvoraussetzungen erforderlich:
Du musst mindestens 14 Jahre alt sein.
Du musst gesund sein, genaueres stellt da der Fliegerarzt fest. Zu dem musst Du gehen, bevor Du zum ersten Mal alleine fliegen darfst. Das geht in der Regel sehr viel schneller als Du vielleicht denkst. Deshalb ist es vernünftig gleich am Anfang der Ausbildung ein Fliegertauglichkeitszeugnis mitzubringen. Wie Du das bekommst, erklären wir später.
Du musst Mitglied in einem Verein werden, wir empfehlen Dir die Sportfliegergruppe Werdenfels e.V., dort wird man ganz einfach Mitglied. Eine Unterschrift unter den Aufnahmeantrag und schon gehörst Du zu uns (wenn Du noch jünger als 18 Jahre bist, müssen natürlich Deine Eltern oder Erziehungsberechtigten mit unterschreiben.
Das war´s schon. Die Aufnahme in diesen Verein ist für Jugendliche unter 21 Jahren kostenlos. Der Jahresbeitrag beträgt derzeit 280 € pro Jahr, für Jugendliche unter 21 Jahren und Auszubildende und Studenten bis zum 26. Lebensjahr ganze 100 €. Weil die Vereinsflugzeuge ziemlich viel Geld kosten, auch wenn sie nicht geflogen werden, vwird zusätzlich von jedem Mitglied eine jährliche Fixkostenpauschale von 200 € verlangt, auch hier zahlen Jugendliche unter 21 nur die Hälfte, also 100 €, genaueres findest Du auf der Website der SFG Werdenfels.
Damit die Flugzeuge im Frühjahr alle picobello am Start stehen, müssen sie im Winter repariert und gewartet werden. Das machen wir größtenteils selbst. Wir stehen also im Winter jeden Samstag in der Werkstatt. Aber ab Ostern geht es dann wieder los mit dem Segelfliegen.
Die Ausbildung beginnt mit der Praxis, das heißt zuerst wird geflogen und dann später, meist im Herbst und Winter wird Theorie gepaukt. Der Segelfluglehrer, der Dich ausbildet kostet nichts, er macht seinen Job ehrenamtlich, deshalb aber nicht weniger gut als die Profis.
Das vereinseigene Segelflugzeug mit dem Du während der Ausbildung fliegst, kostet Dich daher nicht mehr als als alle anderen Mitglieder auch. Ein Start mit der Startwinde kostet für Flugschüler 3,50 €, dazu kommen pro Flugminute ganze 0,08 € genaueres findest Du auf der Website der SFG Werdenfels.
Die Ausbildung dauert ziemlich lange, denn wir wollen natürlich nicht, dass Du abstürzt oder ein Flugzeug kaputt
geht aber im Grunde kannst Du innerhalb von 8 Wochen alleine Deine erste Platzrunde drehen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit und Du bist jedes Wochenende "auf der Matte". Zeit für andere Hobbys bleibt da kaum, aber was glaubst Du wie es klingt, wenn Du als 16jähriger zu Deinen Freunden sagen kannst: "Hallo Leute, will mal einer mit mir fliegen? Ich bin nämlich ausgebildeter Pilot"
Hier noch einige Antworten auf häufig gestellte Fragen:
Wie lange dauert die Ausbildung?
Darüber kann man keine genauen Angaben machen, weil es sehr vom Engagement des Einzelnen abhängt, wie flott die Ausbildung vorangeht. Im Durchschnitt braucht ein mittelmäßig engagierter Flugschüler etwa 6 bis 8 Wochen bis zum ersten Alleinflug. Zum Erwerb des Luftfahrerscheines für Segelflugzeugführer (GPL), braucht man durchschnittlich zwei Sommer, also etwa 18 Monate, wenn man im Frühjahr anfängt. Wer es besonders eilig hat, kann bei entsprechendem Engagement, sprich jedes Wochenende am Flugplatz, auch innerhalb von 12 Monaten bis zur Prüfung kommen
Welche Gesamtkosten kommen auf mich zu?
An zusätzlichen Kosten zu den bereits weiter oben erwähnten Aufnahme- und sonstigen Beiträgen kommt noch das Flugfunksprechzeugnis auf Dich zu, es ist Voraussetzung für die Zulassung zur Luftfahrerscheinprüfung. Kosten dafür einmalig Prüfungsgebühren von ca. 75,00 €, natürlich nur wenn Du die Prüfung nicht wiederholen musst, also heißt es fleissig lernen vor der Prüfung. Zu erwähnen ist auch noch, dass wir von unseren Mitgliedern erwarten, dass sie im Verlauf eines Jahres eine gewisse Anzahl von Arbeitsstunden für den Verein leisten. Wer das nicht will oder kann, der wird am Ende des Jahres mit einem bestimmten Betrag belastet, der sich aus den Bestimmungen der Arbeitsstundenordnung ergibt (siehe Website der SFG Werdenfels).
Ein einigermaßen eifriger Schüler verfliegt pro Saison (bei etwa 50 - 100 Starts) etwa 300 - 600 €.
Wie lange muss ich an den Wochenenden auf dem Platz sein?
Segelfliegen funktioniert nur dann, wenn wenigstens 3 Leute helfen, damit einer in die Luft kommt, deswegen ist es nur natürlich, dass von einem Piloten erwartet wird, dass er nicht nur fliegt und dann wieder abhaut, sondern sich auch nützlich macht um anderen Piloten in die Luft zu helfen. Im Klartext: Der Normalfall ist, dass man morgens um 0900 Uhr am Platz ist, dann den ganzen Tag arbeitet und fliegt und am Abend zusammen mit allen anderen Piloten die Flugzeuge wieder in die Halle räumt. Danach beginnt der gemütliche Teil, wer noch bleiben will bleibt, wer nicht, der fährt eben nachhause.
Hin und wieder kann man es sich schon leisten mal etwas später zu kommen oder etwas früher zu gehen, aber grundsätzlich sollte man schon den ganzen Tag investieren.
Solltest Du noch weitere Fragen haben, dann lassen sich diese am besten in einem persönlichen Gespräch beantworten. Vielleicht besuchst Du uns ja mal am Flugplatz, dann kannst Du Dir selbst einen Eindruck verschaffen, wie es bei uns zugeht, vielleicht ist dann ja sogar ein kleiner Probeflug drin.
Noch ein kleiner Hinweis für besorgte Eltern
Ihre Tochter oder Ihr Sohn hat im Internet unsere Segelflug-Website gefunden und will nun im Alter zwischen 14 und 17 Jahren das Segelfliegen erlernen. Vielleicht halten Sie das für eine abwegige oder auch undurchführbare Idee oder Sie haben einfach Angst es könnte etwas passieren.
Wir möchten Ihnen im folgenden Text ein paar Argumente liefern, die Sie vielleicht dazu bewegen können, Ihrem Kind diese reizvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen.
Fliegen, insbesondere Segelfliegen ist eine sehr sichere Angelegenheit. Unfälle passieren ausgesprochen selten, weitaus seltener als z. B. beim Reiten oder auch beim Fußball.
Fliegen stärkt das Selbstbewusstsein, zeigt aber auch sehr schnell die eigenen Grenzen auf und lehrt, das Selbstbewusstsein nicht in Arroganz ausarten zu lassen. Fliegen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen; für sich und für andere. Gerade Fliegen im Verein ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der Nachwuchskräfte schon früh an verantwortungsvolle Aufgaben herangeführt werden.
Die größte Verantwortung übernehmen die Flugschüler für sich selbst, wenn sie nach gründlicher Ausbildung am Doppelsteuer schließlich zu ihren ersten Soloflügen starten. Diese erfolgreich zu beenden, ist ein ungeheuer positives Erfolgserlebnis. Gleichzeitig lernen Nachwuchspiloten zu einem sehr frühen Zeitpunkt den Umgang mit dem, vom Verein zur Verfügung gestellten wertvollen Fluggerät. Flugzeuge kosten in der Anschaffung beträchtliche Summen. Die Achtung vor und den richtigen Umgang mit solchen Vermögenswerten lernt man bei kaum einer anderen Freizeitbetätigung.
Beim Fliegen wird auch das technische Verständnis gefördert. Der Umgang mit Kunststoffen wie er in modernen Segel- und Motorflugzeugen zu finden ist, oder der Umgang mit GPS und anderer Bordelektronik lässt sich am besten durch eigene Erfahrung trainieren.
Nicht zu vergessen ist vor allem bei einer Schulung im Verein der soziale Aspekt des Fliegens. Die Fliegerei hört im Verein nicht mit der Landung auf. Gemeinsames Lernen, sich Wissen anzueignen und weiterzugeben ist schon mit jungen Jahren möglich. Allerdings gilt dieser spezielle Aspekt - zugegebenermaßen - für alle Freizeitbetätigungen, nicht nur fürs Fliegen.
Wer früh mit dem Fliegen beginnt, wird gefordert, aber er wird dadurch auch gefördert. Vorausschauendes Denken, geplantes und strukturiertes Handeln, handwerkliches Können, klare Kommunikation und technisches Verständnis sind nur ein paar Tugenden, die Flugschüler auf dem Weg zu ihrem Pilotenschein im Idealfall vermittelt bekommen.
Diese Fähigkeiten helfen bei der späteren Arbeitsplatzsuche, egal, in welchem Bereich. Angesichts der Arbeitslosigkeit in Deutschland ist dieser Aspekt nicht hoch genug zu bewerten. Junge Leute sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. sie sind selbstbewusst und wissbegierig. Unterstützen Sie doch Ihre Tochter bzw. Ihren Sohn und bieten Sie ihnen die Möglichkeit Pilot zu werden.
Für weitere Informationen insbesondere was Kosten und Dauer einer Flugausbildung betrifft, stehen wir gerne zur Verfügung, rufen Sie uns an unter 0171 2826136.
Mit freundlichen Grüßen
Hannes Niesslbeck
Fluglehrer in der Sportfliegergruppe Werdenfels e.V.

